Gesellschaft für Informatik e.V.

Lecture Notes in Informatics


Mobile und Ubiquitäre Informationssysteme P-163, 71-83 (2010).

Gesellschaft für Informatik, Bonn
2010


Copyright © Gesellschaft für Informatik, Bonn

Contents

Nutzenpotentiale von RFID-Technologien in Anwaltskanzleien

Michael Amberg , Markus Haushahn and Krzysztoph Malowaniec

Abstract


Obgleich die Verbreitung von RFID in vielen Bereichen der Wirtschaft bereits heute erfolgt ist, hat sich der Einsatz in Anwaltskanzleien bis heute kaum etabliert. Vor dem Hintergrund akuter Probleme im Rahmen der Identifizierung, Verfolgung und Verwaltung von Dokumenten kann diese Technologie in Kanzleien jedoch eine gezielte Verbesserung verschiedener Teilprozesse im Bearbeitungsablauf eines Rechtsfalles ermöglichen. Eine Nichteinhaltung von Fristen oder eine erneute Bearbeitung eines Dokuments aufgrund von Unauffindbarkeit sind nur zwei Beispiele, die den Arbeitsablauf negativ beeinflussen. Insbesondere die Frage nach dem \?Wo?“ beschreibt treffend die Problematik, derer sich eine Vielzahl an Anwaltskanzleien ausgeliefert sehen. Dies betrifft vor allem den Prozess der Suche von Mandantenakten und Gesetzestexten. Im Rahmen eines Arbeitstages kann durch die Nutzung von RFID die Arbeitszeit effizienter gestaltet werden. Dies bedeutet dass Arbeitnehmer nicht mehr mit der Suche nach Dokumenten beschäftigt sind und ihre Zeit effektiver mit höher bewerteten Tätigkeiten nutzen können. Im Rahmen dieses Artikels werden, unter Verwendung der Grounded Theory, Erkenntnisse und Aspekte von RFID aus der Literatur und Praxis in drei Iterationsschritten gegenübergestellt und Abweichungen in den Aussagen analysiert. Diese kontinuierliche Generierung von Informationsmehrwert ermöglicht somit eine ganzheitliche Betrachtung verschiedener Nutzenaspekte, die für den sinnvollen und effektiven Einsatz von RFID in Anwaltskanzleien adaptiert werden können. Dabei zeigt sich, dass ein hohes Potential in dem Themengebiet RFID in Anwaltskanzleien steckt und die negativen Einflüsse im täglichen Arbeitsablauf reduzierbar sind. 71 In den letzten Jahren haben RFID-Technologien nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch in vielen Bereichen des Dienstleistungssektors, der Kaufund der Vertriebslogistik, der Industrie sowie in Produktionsgesellschaften für starkes Aufsehen gesorgt. Die Vielzahl an Gesellschaften, die aktiv an der Entwicklung und dem Verkauf von RFID- Systemen beteiligt sind, zeigt, dass dieser Markt sehr ernst genommen wird. Wohingegen durch globale Verkäufe von RFID-Systemen im Jahre 2008 etwa 1,2 Milliarden US$ verbucht werden konnten, wurde für das Jahr 2012 bereits ein Umsatzwachstum auf 3,5 Milliarden US$ prognostiziert [Ga08]. Der RFID Markt gehört deshalb zu dem am schnellsten wachsenden Zweigen der Radiotechnologieindustrie. Trotz der offensichtlichen Fortschritte und der zu erwartenden Effizienzund Kostenpotentiale ist der Verbreitungsgrad und somit der Einsatz in vielen Branchen und Unternehmen bisher nur als Nischenlösung anzusehen [We07]. Ein echter Pionier auf dem Gebiet der Prozessoptimierung durch RFID ist die Metro Group AG. Durch die Implementierung dieser neuen Schlüsseltechnologie konnte in einem so genannten \?Metro-Future-Store“ die Lücke zwischen der Objektund der Informationsebene geschlossen werden [Sa04]. Infoterminals, Selbstzahlerkassen, Einkaufsassistenten sowie Effizienzsteigerungen im Bereich der Kommissionierung und Lagerhaltung sind nur wenige Beispiele, durch welche die Metro Group AG Kosteneinsparungen in Höhe von 8 Mio. Euro ausweisen konnte [Me08].


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Gesellschaft für Informatik, Bonn
ISBN 978-3-88579-257-4


Last changed 04.10.2013 18:31:12