Gesellschaft für Informatik e.V.

Lecture Notes in Informatics


INFORMATIK 2009 - Im Focus das Leben P-154, 1113-1125 (2008).

Gesellschaft fĂŒr Informatik, Bonn
2008


Editors

Stefan Fischer, Erik Maehle, RĂŒdiger Reischuk (eds.)


Copyright © Gesellschaft fĂŒr Informatik, Bonn

Contents

PaKo - Der mobile Patientenkoffer

Stefan Stein and J. Felix Hampe

Abstract


Durch den Einsatz von Informationsund Kommunikationstechnologie im Gesundheitsbereich (speziell im Segment Mobile Health Care) eröffnen sich Möglichkeiten der Steigerung der LebensqualitĂ€t der betroffenen Patienten, einer effizienteren Behandlung sowie einer gleichzeitigen Kosteneinsparung. Eine Vielzahl von Projekten und Publikationen zu diesem Themenkreis finden sich in der einschlĂ€gigen Literatur, jedoch nur wenige werden ĂŒber unterschiedliche Entwicklungsphasen mit breiterem Praxiseinsatz fortgefĂŒhrt. Der vorliegende Beitrag stellt die Ergebnisse des Projektes \?PaKo“ (mobiler Patientenkoffer) vor. Es handelt sich um die Fortschreibung eines Forschungsprojektes, in dem ein mobiles Monitoring-System entwickelt wurde. Das vorangehende Projekt betrachtete das Monitoring von Parkison-Patienten im heimischen Umfeld wĂ€hrend der Einstellung auf eine dem aktuellen Krankheitsbild angepasste Medikation. In der nunmehr prĂ€sentierten 2. Entwicklungsphase wird von diesem spezifischen Anwendungskontext abstrahiert und generell die Diagnose und Behandlung von Krankheiten bei Einsatz aktueller Mobilfunktechnologie betrachtet. Weiterhin wird der Patientenkoffer im Umfeld des Patienten (heimischer Bereich, Altenheimstation etc.) aufgestellt, so dass im Ziel langwierige Krankenhausaufenthalte entfallen und der Patient in seinem persönlichen Umfeld verbleiben kann. Es wird davon ausgegangen, dass in solchen FĂ€llen, fĂŒr die dieses Szenario patientenseitig gewĂŒnscht und geeignet erscheint, eine schnellere und erfolgreichere Therapie bzw. Betreuung erreichbar ist. Der aktuelle Prototyp ermöglicht neben der MonitoringfunktionalitĂ€t eine multimodale Interaktion mit dem Patienten. Dieser Beitrag beschreibt die grundlegende Neukonzeption. Basierend auf der technologisch ĂŒberarbeiteten Plattform werden zudem die erweiterten Einsatzmöglichkeiten behandelt. DarĂŒber hinaus wird auf das Potential, das sich zunehmend durch die Entwicklung und den Einsatz von breitbandigen Mobiltechnologien eröffnet, eingegangen. Die Grundlage fĂŒr dieses Forschungsprojekt bildet ein portables medizinisches Monitoringsystem, das im Jahr 2005 entwickelt worden ist [BH05a, BH05b]. Dieses System befindet sich in der produktiven Nutzung. Sein Einsatz wird im Bedarfsfall von den Krankenkassen bezahlt. Die Weiterentwicklung basiert auf den Erfahrungen aus dem produktiven Betrieb dieses Systems und wurde im Rahmen einer Kooperation mit der Huebinet GmbH1 realisiert. Ziel dieser Weiterentwicklung war es, die BeschrĂ€nkungen des aktuellen Systems zu beseitigen und zusĂ€tzlich neue Einsatzfelder zu eröffnen. Diese Arbeit beschreibt zunĂ€chst das als Vorlage dienende portable medizinische Monitoringsystem, die bei der Nutzung auftretenden Probleme sowie die EinschrĂ€nkungen. Darauf folgt die Beschreibung der Anforderungen an den neuen generischen Prototyp, der sowohl die Monitoringaufgaben weiterhin wahrnimmt, als auch eine generische Plattform fĂŒr die Diagnose und Behandlung von weiteren Krankheitsformen darstellt. 2 Das portable medizinische Monitoringsystem Das in [BH05a, BH05b] beschriebene portable medizinische Monitoringsystem wird fĂŒr die Betreuung von Patienten mit Morbus Parkinson verwendet. Bei dieser Krankheit muss der Patient ab einem bestimmten Schweregrad auf eine individuelle Medikation eingestellt werden. Dieser Vorgang erfolgte vor dem Einsatz des Monitoringsystems durch einen mehrwöchigen stationĂ€ren Krankenhausaufenthalt. Bei diesem Aufenthalt musste der Patient mehrfach am Tag definierte Übungen ausfĂŒhren. Mit diesen Aufgaben werden seine motorischen FĂ€higkeiten getestet, die aufgrund der Krankheit beeintrĂ€chtigt sind. Durch die Medikamentengabe kann der Zustand des Patienten verbessert werden. Die tĂ€glich mehrfache ÜberprĂŒfung ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum ermöglicht es den behandelnden Ärzten, die individuelle Medikation zu ermitteln [SL98]. Neben dem Problem der hohen Kosten fĂŒr den Krankenhausaufenthalt, beeintrĂ€chtigt der lange Aufenthalt die LebensqualitĂ€t des Patienten, da er sich ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum nicht in seinem persönlichen Umfeld befindet und sich an die AblĂ€ufe und Zeiten des Krankenhauses anpassen muss. Dies fĂŒhrt oft dazu, dass die individuelle Medikation sich im persönlichen Umfeld nicht als optimal darstellt und spĂ€ter noch einmal angepasst werden muss. Das Monitoringsystem erlaubt, dass die ÜberprĂŒfung der motorischen FĂ€higkeiten in der persönlichen Umgebung des Patienten erfolgen kann. Der Patient bekommt das Monitoringsystem zu Hause von einem Dienstleister aufgebaut. Mit Hilfe eines bereitgestellten individuellen Transponders, basierend auf RIFD, kann er sich gegenĂŒber dem GerĂ€t identifizieren. Das GerĂ€t gibt die Anweisungen zu den jeweiligen Übungen ĂŒber die angeschlossenen Lautsprecher. Die Übungen wurden vorher bereits von bei dem behandelnden Arzt ausgefĂŒhrt und sind somit dem Patienten bekannt.


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Gesellschaft fĂŒr Informatik, Bonn
ISBN 978-3-88579-241-3


Last changed 24.01.2012 22:07:34