Gesellschaft fŁr Informatik e.V.

Lecture Notes in Informatics


INFORMATIK 2008 Beherrschbare Systeme -dank Informatik Band 1 P-133, 81-86 (2008).

Gesellschaft f√ľr Informatik, Bonn
2008


Editors

Heinz-Gerd Hegering, Axel Lehmann, Hans J√ľrgen Ohlbach, Christian Scheideler (eds.)


Copyright © Gesellschaft f√ľr Informatik, Bonn

Contents

Innovation und Interoperabilitaet - zentrale Anforderungen der EU-Dienstleistungsrichtline?

Mario Wendt

Abstract


Der nachfolgende Artikel geht auf die diversen Anforderungen, welche durch die EU-DLR an die √Ėffentliche Verwaltung wie auch die Privatwirtschaft gestellt werden, ein. Es geht zum Einen, um einheitliche L√∂sungsans√§tze auf organisatorischer, prozessualer und technischer Ebene, und zum Anderen darum, welche Services und Dienste durch die Privatwirtschaft angeboten werden k√∂nnen und auch m√ľssen. Sind Innovation und Interoperabilit√§t die zentralen Ausrichtungen, welche alle ganzheitlichen L√∂sungsans√§tze ber√ľcksichtigen m√ľssen? K√∂nnen die technologischen Herausforderungen die Showstopper darstellen oder liegen sie eher in den Bereichen Organisation und Prozesse? 1 Herausforderungen Die Umsetzung der EU-Dienstleitungsrichtlinie ist eine der Herausforderungen, welcher sich die Verwaltung und die Wirtschaft bis 2009 stellen mu√ü. Betrachten wir kurz einige \?Botschaften‚Äú, welche als Anforderungen im Rahmen der Richtlinie 2006/123/EG des Europ√§ischen Parlaments und des Rates vom 12. Dezember 2006 √ľber Dienstleistungen im Binnenmarkt formuliert worden sind, wie z.B. die Reduzierung rechtlicher und administrativer Hindernisse, garantierte rechtsichere Abwicklung durch Dienstleistungserbringer, St√§rkung der Rechte von Nutzern dieser Services und Dienste, Erbringung eines qualitativ hochwertigen und durchg√§ngigen Dienstes f√ľr Firmengr√ľnder, etc. Welche Konsequenzen ergeben sich aus diesen Anforderungen f√ľr die nationalen Bestrebungen? Auf einen einfachen Nenner gebracht, gilt es, die Verwaltungsprozesse zu vereinfachen, einen \?einheitlichen‚Äú Ansprechpartner zu schaffen, das Informationsrecht der Beteiligten abzusichern und ein System zur elektronischen Abwicklung von Verfahren und Formalit√§ten bereitzustellen, etc. Dies alles muss keineswegs von jetzt auf gleich geschaffen werden, aber in naher Zukunft realisiert werden. [F02] 81 Am Beispiel der prototypischen Umsetzung der EU-DLR soll nachfolgend der vorstehend geforderte Ansatz zur Unterst√ľtzung des innovativen Potentials der Verwaltung und der umf√§nglichen technischen und semantischen Interoperabilit√§t auf verschiedenen Ebenen erl√§utert werden. Was ist aus dem Blickwinkel des Betrachters innovativ an dieser L√∂sung? Wenn wir daran denken, das m√∂glichst Medienbruch-frei Informationen zwischen den Benutzern, auf idealerweise allen Prozessebenen, zielgerichtet gesteuert und ausgetauscht werden k√∂nnen, so ist diese Vision nicht neu, aber erst in wenigen Verfahren umgesetzt. Zu dem Zweck gilt es, bestehende Verfahrensweisen zu optimieren oder neu auftretenden oder ver√§nderten Funktionsanforderungen besser zu entsprechen, wie z.B. die Antragsdauer zur Gewerbeanmeldung deutlich zu verk√ľrzen. Damit ist keinesfalls der revolution√§re Umbruch, sondern eher die evolution√§re, planvolle und zielgerichtete Erneuerung und Neugestaltung von Organisation, Prozessen und Technik gemeint. Wo spielt die Interoperabilit√§t eine entscheidende Rolle? Wenn wir Interoperabilit√§t als die F√§higkeit der Zusammenarbeit von verschiedenen Systemen, Techniken und Organisationen interpretieren, dann hei√üt es in dem unten dargestellten Bild, das einzelne Komponenten gegebenenfalls austauschbar zu sein und um gemeinsam mit anderen heterogenen Systemen zusammenarbeiten zu k√∂nnen. Dies kann z.B. dadurch vorgenommen werden, dass der Microsoft BizTalk Server durch einen anderen Business Prozess Management Server ersetzt wird. Dar√ľber hinaus k√∂nnen in einer serviceorientierten Architektur und L√∂sung, √ľber diverse Adapter auf Protokollebene, die Systeme mit anderen heterogenen Systemen Daten und Prozessinformationen austauschen. Online Form Microsoft FormsServer Microsoft Customer Care Microsoft Framework DynamicsCRM Microsoft InfoPath SharePoint Form Information Repository Microsoft BizTalk Server BackOffice Applications Abbildung 1: Prinzipieller Architekturaufbau des Prototyps zur EU-DLR im Fraunhofer FOKUS eGovernment Lab. [F00] 82 N√§hert man sich dem Thema und den Anforderungen der Dienstleistungsrichtlinie √ľber die dort geforderten Rollen und Funktionen, so kann die Architektur des Fraunhofer Instituts FOKUS als Basis zur Definitionen von Schnittstellen und Prozessen herangezogen werden. Grunds√§tzlich ergibt sich aus der folgenden Abbildung eine √úbersicht √ľber die Dienste und Services, welche im Zusammenhang eines ganzheitlichen Ansatzes angeboten werden m√ľssen. Abbildung 2: Dienste und Servicelandschaft des Prototyps zur EU-DLR im Fraunhofer FOKUS eGovernment Lab. [F01] 83 Im Kontext der Dienstleistungsrichtlinie bewegt man sich in dem Spannungsfeld, auf der einen Seite neue Funktionen umsetzen zu m√ľssen, auf der anderen Seite aber keine gr√ľne Wiese vorzufinden, auf der man neu beginnen kann. Hierbei ist es wichtig vorhandene Infrastrukturdienste einzubeziehen. Zu diesen Diensten geh√∂ren zum Beispiel Funktionen des Identit√§tsmanagement, der Rechtezuordnung und -verwaltung, des Kassenund Rechnungswesen, Formulardienste, Beh√∂rdenpostf√§cher und Verzeichnisdienste. Da diese Dienste in der Regel √ľber unterschiedlichste Schnittstellen verf√ľgen ist der Einsatz von innovativen L√∂sungen wie Prozessmanagementwerkzeugen und ServiceBus-Technologien notwendig, um eine schnelle Integration zu gew√§hrleisten und dabei die sp√§tere Austauschbarkeit von Diensten flexibel zu erm√∂glichen. 2.2 Legacy-Anwendungen (Fachverfahren, etc) Eine √§hnliche Problematik ist auch bei der Einbindung von Fachverfahren zu ber√ľcksichtigen. Im Gegensatz zu den Basisdiensten, die von Natur aus oft f√ľr den Einsatz in unterschiedlichen Umgebungen ausgelegt sind, ist die Situation bei Fachverfahren grundlegend anders. Die Anzahl der Fachverfahren ist gro√ü, nur bei wenigen Verfahren sind die Schnittstellen und Datenstrukturen genormt im Sinne der deutschen X√ĖV Standardisierung. Dar√ľber hinaus gibt es noch eine Vielzahl von Verfahren, die zwar Informationen entgegennehmen k√∂nnen, aber √ľber keine Schnittstellen verf√ľgen, √ľber die Zustandsinformationen und/oder Ergebnisse in √ľbergeordnete Prozesse zur√ľckkommuniziert werden k√∂nnen. Auch hier gilt es flexibel und pragmatisch zu reagieren und derartige Verfahren in innovative L√∂sungen zu integrieren und damit eine medienbrucharme Umsetzung der Dienstleistungsrichtlinie zu erlauben. 2.3 Wissensmanagement und Verzeichnisinformationen Je nach organisatorischer Positionierung sind unterschiedliche Verzeichnisstrukturen und Informationsbest√§nde aufzubauen. Kann man auf unterster kommunaler Ebenen noch auf zur Bestimmung von Zust√§ndigkeiten auf die Zuordnung zu Gebietsk√∂rperschaften noch verzichten, so ist die regionale Lokalisation der Zust√§ndigkeit f√ľr einen EAP auf der Ebene eines Landes ein hilfreiches Strukturierungsmittel. Da diese Informationen zu Gebietsk√∂rperschaften, Einrichtungen und Leistungen nicht √ľberall vorliegen, m√ľssen sie aufgebaut werden. Hierbei ist es durchaus hilfreich Strukturen und Schnittstellen zu definieren, die die Nutzung dieser Informationen nicht nur in lokalen Kontexten erlauben, sondern die Informationen auch berechtigten Dritten zur Verf√ľgung stellen. Mit vorausschauender Planung lie√üe sich so ein verteiltes, fl√§chendeckendes Informationssystem aufbauen, das jede Art von einheitlichem Ansprechpartner auf jeder Ebene unterst√ľtzen k√∂nnte. Ans√§tze zu diesem Vorgehen werden in Rahmen der Architektur und des Demonstrators aufgezeigt. 84 Der Einsatz serviceorientierte Vorgehensweisen und die Verkn√ľpfung des EAP mit verschiedensten Diensten im Backoffice ist ein ideales Einsatzgebiet f√ľr Prozessmanagementwerkzeuge. Mit heutigen Technologien ist es m√∂glich, diese Gesch√§ftsprozesse zu entwerfen und, angereichert um technische Informationen, auch produktiv umzusetzen. Der Einsatz von XML zur Strukturierung von Daten und die Vielzahl der unterst√ľtzten Protokolle und Schnittstellen vereinfachen die Einbeziehung externer Systeme und Dienste, beispielsweise bei der Verteilung von Antragsdaten an zust√§ndige Stellen sowie involvierte √Ąmter und Beh√∂rden. 2.5 Architektur√ľbersicht Das nachfolgende Bild stellt ein Mapping der Server zu der Dienste und Services Architektur dar. Naturgem√§√ü ist dies nur eine der m√∂glichen Auspr√§gungen der Serverlandschaft, auch beeinflussen die unterschiedlichen Dienste, welche bedient werden m√ľssen, die Serverlandschaft. Multiple Zugangsarten Abbildung 3: Mapping der Server zu der Dienste und Servicelandschaft des Prototyps zur EU-DLR im Fraunhofer FOKUS eGovernment Lab. [F01] Die in blau unterlegten Dienste und Services sollen exemplarisch die m√∂glichen Erweiterungen widerspiegeln. 85 Nach dem grunds√§tzlichen Commitment zur Interoperabilit√§t und den ‚ÄúInteroperability Principles‚ÄĚ, wurde im Rahmen des Microsoft Engagements zur EU-DLR neben einem technischen Whitepaper und einer Beschreibung der prototypischen Umsetzung auch Code zur eigenst√§ndigen Implementierung zum freien Download bereitgestellt. [http://solshare.net/files/folders/eusd/default.aspx]. Im Rahmen der Informatik 2008 stellt Microsoft eine Implementierung auf Basis der Architektur des Fraunhofer Instituts FOKUS vor, um an Hand dieses Demonstrators wichtige Aspekte der Dienstleistungsrichtlinie zu diskutieren. Neben der Er√∂rterung potentieller Umsetzungsstrategien auf technischer Ebene im Sinne funktionaler Komponenten bietet der Demonstrator dar√ľber hinaus die M√∂glichkeit, auch organisatorische Vorgehensweisen und deren technische Realisierung widerzuspiegeln. Literaturverzeichnis [F00] Uwe Holzmann-Kaiser, Fraunhofer FOKUS: Local and Regional Government Solutions Forum, 21st-23rd April 2008, Porto, Portugal [F01] PD J√∂rn von Lucke, Dr. Klaus-Peter Eckert, Christian Breitenstrom, Fraunhofer FOKUS: Whitepaper zur EU-DLR Einheitlicher Ansprechpartner, Rahmenarchitektur und technischer L√∂sungsvorschlag 15.02.2008, S 29. [F02]


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Gesellschaft f√ľr Informatik, Bonn
ISBN 978-3-88579-227-7


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