Gesellschaft für Informatik e.V.

Lecture Notes in Informatics


Mobile und Ubiquitaere Informationssysteme - Technologien, Prozesse,Marktfaehigkeit, Proceedings zur 3. Konferenz Mobile und Ubiquitaere Informationssysteme (MMS 2008), Muenchen, 26. - 28. Februar 2008 P-123, 67-80 (2008).

Gesellschaft fuer Informatik, Bonn
2008


Editors

Michael H. Breitner (ed.), Martin Breunig (ed.), Elgar Fleisch (ed.), Key Pousttchi (ed.), Klaus Turowski (ed.)


Copyright © Gesellschaft fuer Informatik, Bonn

Contents

mGeoWiki

Stefan Stein , Thomas Lange , Stefanie Zittlau , Sandra Jakob , Matthias Ehrenstein and J. Felix Hampe

Abstract


Heute existierende Wikis wurden nicht für die Speicherung von georeferenzierten Informationen und für eine Nutzung im mobilen Umfeld entwickelt. Um diese Einschränkungen zu beheben, wurde nachträglich die Möglichkeit geschaffen, die vorhandenen Wiki-Artikel mit georeferenzierten Informationen anzureichern. Mit Hilfe spezieller Webseiten können diese Wiki- Inhalte für eine Darstellung auf mobilen Endgeräten optimiert werden. Dieser Beitrag betrachtet die Anforderungen an ein speziell für das mobile Umfeld entwickeltes Wiki, das primär dazu ausgelegt ist, mit georeferenzierten Informationen zu arbeiten. Neben der Erstellung von statischen Inhalten durch die Benutzer, soll dieses System auch eine Schnittstelle für dynamische Inhalte aus externen Datenquellen bieten. Diese Fähigkeit ermöglicht neue wirtschaftliche Nutzungsszenarien, die im Rahmen dieses Artikels betrachtet werden. Der Beitrag beschreibt weiterhin den implementierten Prototypen des \?mGeoWiki“ (mobiles georeferenziertes Wiki), seinen technischen Aufbau und die Architektur des Gesamtsystems. Im Rahmen dieses Forschungsprojektes wurden sowohl eine Wiki-Infrastruktur für das mobile Umfeld sowie die dazugehörigen mobilen Clients entwickelt. Beim Aufbau des Prototyps wurde besonders auf die Herausforderungen hinsichtlich der Usability im mobilen Umfeld Rücksicht genommen. Die Benutzer verwenden als mobiles Endgerät ein Smartphone, das mit Hilfe von GPS seine eigene Position ermittelt. Mit Hilfe des mGeoWiki-Clients stellt das Endgerät dem Benutzer über eine drahtlose Datenverbindung kontextrelevante Informationen vom zentralen mGeoWiki-Server bereit. Die Abfragen sind dabei so gestaltet, dass der Benutzer sehr schnell auf die für ihn relevanten Informationen zugreifen kann. Außerdem lassen sich eigene georeferenzierte Informationen im Wiki hinterlegen oder bereits bestehende Artikel ergänzen. Zusätzlich zur Eingabe von Text erhält der Benutzer auch die Möglichkeit, Bilder von der im Mobiltelefon eingebauten Kamera an einen Artikel anzufügen. Neben der Bereitstellung von statischen Inhalten ist das mGeoWiki auch in der Lage, dynamische Inhalte aus verteilten externen Datenquellen zu integrieren. 67 Einführung Das heutige Berufsumfeld fordert von vielen Mitarbeitern eine hohe Flexibilität und Mobilität. Dies hat zur Folge, dass diese Personen vermehrt mobile Kommunikationssysteme verwenden, um Nachrichten und Daten unabhängig vom Standort auszutauschen. Durch die sinkenden Kosten für die Übermittlung von Daten über GRPS und UMTS werden mobile Datendienste auch für Privatpersonen interessant. Bei diesen Datendiensten kann es sich beispielsweise um spezielle Webseiten handeln, die an die beschränkte Darstellung auf mobilen Endgeräten angepasst worden sind. Neben der eingeschränkten Darstellung ist auch die Eingabe, je nach verwendetem Gerät, wesentlich zeitaufwendiger, als dies an einem stationären PC der Fall wäre. Dies führt dazu, dass die mobilen Endgeräte zumeist nur zu notwendigen Informationsabfragen benutzt werden, wenn kein stationärer PC in Reichweite ist. Diese Art der Recherche ist somit oft wesentlich zielgerichteter als eine Suchanfrage \?zu Hause“. Ein Benutzer möchte innerhalb einer kurzen Zeit die benötigte Information erhalten, ohne dabei, wie es im Internet oft passiert, vom eigentlichen Suchbegriff abzudriften. Für eine derartige zielgerichtete Suche sind die normalen Suchmaschinen oft zu ungenau. Dies liegt im Wesentlichen daran, dass für eine spezifizierte Suche der Benutzer schon zu Beginn die relevanten Suchbegriffe kennen müsste, was meist nicht gegeben ist. Eine Suche hat jedoch oft einen direkten Bezug zu der Situation des Benutzers. Im mobilen Umfeld ist dies zumeist der derzeitige Standort. So benötigt der Benutzer oft Informationen von Gebäuden und Veranstaltungen, die sich in seinem direkten Umfeld befinden, ohne dass er zuvor die Namen kennt. Daher gestaltet sich eine Suche nur sehr schwer bzw. zeitaufwendig. Zusätzlich bremst oft die verhältnismäßig langsame drahtlose Internetverbindung z.B. über GPRS mit einer hohen Latenz die Suche, da eine flächendeckende Versorgung mit UMTS in Deutschland noch nicht zur Verfügung steht (Stand: Nov. 2007). Findet ein Benutzer bei einer manuellen Suche beispielsweise eine Webseite mit den gewünschten Informationen im Internet, so ist diese oft nicht auf die beschränkte Darstellung des mobilen Endgerätes angepasst. Das führt dazu, dass die Informationen nicht benutzerfreundlich oder sogar unvollständig dargestellt werden. Um eine Informationssuche im mobilen Umfeld benutzerfreundlich zu realisieren, müssen diese Eigenschaften bei der Entwicklung mit berücksichtigt werden. Zum einen muss der Kontext des Benutzers in die Suche direkt mit einfließen. Dies ermöglicht es, dass eine Suche, selbst wenn der Benutzer keine direkten Suchwörter kennt, zu einem nutzbaren Ergebnis führt. Im mGeoWiki-Prototyp wird mit Hilfe eines GPS-Empfängers der Standort ermittelt. Unter der Annahme, dass eine Suche zumeist Objekte oder Ereignisse aus dem direkten räumlichen Umfeld des Benutzers betreffen, führt dieses Vorgehen direkt zu einem brauchbaren Ergebnis. Im Weiteren müssen die abrufbaren Informationen geokodiert sein, damit eine derartige Suche unterstützt werden kann. Die Darstellung der hinterlegten Daten muss dabei die Einschränkungen der mobilen Endgeräte berücksichtigen. Zusätzlich wird davon ausgegangen, dass ein Artikel nicht zu umfangreich sein darf, da die Information vom Benutzer schnell aufgenommen werden soll. Eine tiefgehende Recherche wird vom Benutzer vornehmlich an einem stationären System ausgeführt. 68 Eine weitere Anforderung an das System ist eine einfache Benutzung und intuitive Darstellung. Dies ist deshalb wichtig, damit Benutzer aus unterschiedlichen Kenntnisprofilen die Möglichkeit haben, einen derartigen Dienst zu verwenden. Dabei sollte davon abgesehen werden, dass die Nutzung nur auf die Benutzergruppen reduziert wird, die als technikafin angesehen werden. Informationssysteme besitzen für den Benutzer nur dann einen Nutzen, wenn sie für ihn brauchbare Informationen anbieten. Da dies eine große Menge von Informationen voraussetzt und sich geokodierte Informationen schnell ändern können, verwendet dieser Prototyp den Community- Ansatz. Das bedeutet, dass die Benutzer des Dienstes die Möglichkeit besitzen, die Informationen des Dienstes zu erweitern oder zu pflegen. 2 Aktueller Stand der Entwicklung Zum jetzigen Zeitpunkt existiert ein derartiges System noch nicht. Es befinden sich jedoch auf dem Markt bereits Produkte oder Projekte, die Teilbereiche dieser Anforderungen erfüllen. Der folgende Abschnitt beschreibt diese Projekte kurz und skizziert den Mehrwert für den Benutzer im mobilen Umfeld. Bei Google Maps mobile [Go07b] handelt es sich um eine Software, die es dem Benutzer ermöglicht, Luftbilder (siehe Abbildung 1) von einem zentralen Server zu laden. Den Bereich, der als Luftbild dargestellt werden soll, kann der Benutzer durch manuelle Angabe eines Ortes oder mit Hilfe eines GPS-Empfängers angeben. Durch die Nutzung des GPS-Empfängers kann der Benutzer ohne direktes Wissen über seinen Standort den Ausschnitt abfragen. Abbildung 1 : Screenshot Google Maps Abbildung 2: Erweiterte Darstellung [Go07b] mobile [Go07b] 69 Neben den Luftbildern besitzt der Benutzer zusätzlich für bestimmte Städte die Möglichkeit, sich über die Verkehrsinformation in einer erweiterten Ansicht zu informieren (siehe Abbildung 2). Das Programm Google Earth [Go07a] ist für \?Standard-Computer“ entwickelt worden und besitzt mehr Möglichkeiten als Google Maps mobile. Es besitzt neben den Daten, die Google Maps bereitstellt, noch georeferenzierte Informationen. Diese werden beispielsweise in Symbolform einer blauen Kugel auf dem Luftbild dargestellt (siehe Abbildung 3). So kann ein Benutzer beispielsweise verortete Bilder oder Wikipedia- Artikel abrufen. Die Geocodierung von Wikipedia-Artikeln erfolgt über die Metadaten eines Artikels. Dies war für die Autoren von früheren Wikipedia-Artikeln überhaupt erst zu einem späteren Zeitpunkt durchführbar. Daher ist nur ein Teil der Artikel geokodiert. Bei dem Wikipedia-Artikel über die Stadt Koblenz befinden sich in den Metadaten des Artikels beispielsweise die folgenden Informationen, um den Längenund Breitengrad angeben zu können [Wi07a], [Wi07c]: |lat\_deg = 50 | lat\_min = 21 | lat\_sec = 35 |lon\_deg = 7 | lon\_min = 35 | lon\_sec = 52 Abbildung 3: Google Earth [Go07a] 70 Es zeigt sich somit, dass zum jetzigen Zeitpunkt die Funktionsvielfalt, wie sie bereits bei der PC-Software vorhanden ist, noch nicht auf dem mobilen Endgerät zur Verfügung steht. Auch ist in Google Maps mobile noch keine Suche oder Abfrage von Informationen vorhanden, die es dem Benutzer ermöglicht, sehr schnell Daten zu finden. Die Recherche bei Google Earth beschränkt sich auf die Suche von Orten. Ein weiteres Problem bei der Nutzung von Wikipedia-Artikeln ist es, dass diese vom Umfang und Design her für normale Computer entwickelt worden sind. Somit erhält der Benutzer eine Darstellung, die er auf seinem mobilen Endgerät nicht optimal wiedergeben kann. Diese eingeschränkte Darstellung führt dazu, dass der Benutzer manche Artikel nur unter erschwerten Bedingungen lesen kann. Um dies zu reduzieren, gibt es Dienstanbieter wie z.B. die wapedia1 [Wa07], die die vorhandenen Artikeln so darstellen, dass auch Benutzer mit mobilen Geräten diese ohne Darstellungsprobleme betrachten können (siehe Abbildung 4). Weiterhin bleibt jedoch das Problem, dass viele Artikel einen zu großen Umfang besitzen. Eine schnelle Informationssuche ist somit auf mobilen Endgeräten sehr mühsam. Abbildung 4: wapedia [Wa07] Eine wichtige Eigenschaft sowohl bei der Wikipedia als auch bei Google Earth, ist der Community-Ansatz. Bei diesem Ansatz beteiligen sich die Benutzer bei der Erstellung und Pflege der Inhalte [Ku05]. Dieser Ansatz ermöglicht es, bei Existenz einer aktiven Community die Menge an Informationen bereitzustellen, die für einen erfolgreichen Betrieb des Dienstes notwendig sind.


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Gesellschaft fuer Informatik, Bonn
ISBN 978-3-88579-217-8


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